Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Zum Thema freiberufliche Tätigkeit bestehen viele Unsicherheiten und vermeintliches Wissen. Viele Gründer, die sich gerne als "freelancer" titulieren, meinen automatisch, sie seien freiberuflich tätig - ganz so einfach ist das leider nicht. Das Thema ist insofern von besonderer Brisanz, da viele steuerliche Entscheidungen von der Frage "Freiberufler - ja oder nein", abhängen.

 

Was bedeutet freiberufliche Tätigkeit:

Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen gewerblicher und freiberuflicher Tätigkeit. Wer gewerblich tätig ist, hat eine Gewerbeanmeldung vorzunehmen, er ist gewerbesteuerpflichtig und wählt seine Rechtsform. Der Freiberufler führt hingegen keine Gewerbeanmeldung aus, er meldet seine Tätigkeit lediglich gegenüber dem Finanzamt an, Gewerbesteuer ist vom Freiberufler nicht zu zahlen.

 

Wer zählt zu den Freiberuflern

Wer in Deutschland als "Freiberufler" gilt und wer nicht, ist im Einzelfall nicht eindeutig zu sagen. Freiberufler sind klassischerweise Ärtze, Anwälte, Architekten, Künstler, etc. sofern die Erbringung folgender Leistungen im Vordergrund der Tätigkeit stehen: wissenschaftlich, künstlerisch, schriftstellerisch, unterrichtend oder erzieherisch. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Webdesigner gleichzeitig auch künstlerisch, also freiberuflich tätig ist. Wichtig ist hier vor allem die Definition des künstlerischen Ansatzes sowie die abgeschlossene Ausbildung oder das Studium, welches für oder eher gegen eine freiberufliche Tätigkeit spricht.

 

Fazit

Bitte versuchen Sie nicht anhand einer Bauchentscheidung oder einer Eigeneinschätzung die Frage zu beantworten, ob Sie freiberuflich tätig sein dürfen oder nicht. Diese Frage ist eine von vielen entscheidenden Fragen im Rahmen Ihrer Existenzgründung, wobei Vor- und Nachteile klar besprochen werden müssen.

Aus Erfahrung vieler Gründungen kann ich sagen, dass eher selten Personen als Freiberufler gelten. Sollte Jahre nach Gründung, z. B. im Rahmen einer Unternehmensprüfung durch die Rentenkasse, festgestellt werden, dass Sie nicht zu den Freiberuflern zählen, bedeutet dies oftmals einen erheblichen finanziellen Schaden sowie erheblichen bürokratischen Aufwand.